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Beziehung: Was tun, wenn der oder die Liebste plötzlich zum Pflegefall wird?
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© Shutterstock

Eine daheim, einer im Pflegeheim – das ist ein Einschnitt für die Beziehung. Um sich nahe zu bleiben, sind nicht nur Kompromisse wichtig, sondern auch Raum für Trauer.

Ein Paar ist gemeinsam alt geworden, aber in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die eine ist fit und kann noch einiges unternehmen. Der andere ist so pflegebedürftig, dass die Entscheidung – mit schwerem Herzen – auf einen Umzug ins Pflegeheim gefallen ist. Und nun? Für die Beziehung ist das alles andere als einfach. „Das kann für beide Partner sogar sehr belastend sein“, sagt Simon Eggert vom Zentrum für Qualität in der Pflege mit Sitz in Berlin. Aber die Liebe muss nicht unbedingt auf der Strecke bleiben.

Die Rollen in der Beziehung ändern sich

Natürlich ist die neue Situation – einer daheim, einer im Pflegeheim – eine gewaltige Herausforderung. „Mitunter ändert sich auch etwas auf Hierarchieebene innerhalb der Partnerschaft“, sagt Marlene Ziegler-Stein von der Psychologischen Online-Beratung pflegen-und-leben.de. Zum Beispiel, wenn sich ein Partner innerhalb der Partnerschaft immer als „der Starke, der alles im Griff hat“ gesehen hat und diese Rolle nun gesundheitsbedingt nicht mehr ausfüllen kann. So eine Veränderung kann beiden zusetzen.
Denn: „Eine Pflegesituation hat immer auch eine psychische Komponente“, sagt Diplom-Psychologin Ziegler-Stein. Betroffene Paare sollten daher nicht scheuen, sich Anstöße von außen zu holen. Um an kompetente Berater zu kommen, können sie sich zum Beispiel an die Familien- und Lebensberatung von Wohlfahrtsverbänden oder auch Pflegestützpunkte wenden.
Auch ohne solche Hilfe können viele Paare klarkommen. „Soweit das möglich ist, können beide Seiten darüber sprechen, welche Bedürfnisse sie haben und wie sie sich in der Lebenssituation umsetzen lassen“, sagt Simon Eggert.
So sieht es auch Psychologin Ziegler-Stein. Sie rät Paaren, im Gespräch miteinander auszuloten, was ihnen in der Beziehung wichtig war und was sie erhalten möchten. Hobbys wie Gesellschaftsspiele lassen sich oft weiterhin pflegen, auch wenn einer von beiden im Heim wohnt.


Es braucht auch Raum für Trauer

Aber oft gibt es auch gemeinsame Hobbys, die jetzt nicht mehr machbar sind. „Hier können nun beide überlegen, wie sie in der neuen Lebenssituation ihre alten Gewohnheiten gemeinsam weiterführen“, sagt Ziegler-Stein. Ein Beispiel: Ein Paar ist in früheren Zeiten regelmäßig gemeinsam wandern gegangen. Wandertouren sind nun zu beschwerlich für den oder die Pflegebedürftige. Aber vielleicht kann das Paar zumindest kleinere Spaziergänge unternehmen. Oder: Ein Paar hat bislang regelmäßig Konzerte besucht. Ein Kompromiss: Wer nicht im Heim lebt, bringt zum Besuch CDs mit, so dass beide gemeinsam Musik hören und in Erinnerung schwelgen können.
Bei dieser Suche nach Kompromissen kann sich auch eine Niedergeschlagenheit einstellen. „Dann kann es helfen und entlastend sein, wenn beide gemeinsam Dinge betrauern, die sie nicht mehr zusammen machen können“, so Ziegler-Stein.
Anschließend ist es wichtig, sich klarzumachen, was beiden guttut, wenn sie so traurig sind. Eine mögliche Lösung kann sein, Fotos von früher anzuschauen und sich bewusst zu machen: Wir hatten einst superschöne Erlebnisse miteinander – heute geht vieles nicht mehr, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen.
Eine wichtige Voraussetzung, um die Beziehung unter den veränderten Rahmenbedingungen gut zu pflegen: „Der nicht-pflegebedürftige Partner sollte möglichst in der Nähe des Heims wohnen“, sagt Simon Eggert. Hat er oder sie es für Besuche weit, könnte sich das im Alltag als ein Hemmnis herausstellen. Ebenfalls unabdingbar: „Gerade der nicht im Heim lebende Partner sollte bereit sein, die Realität und die gesundheitliche Situation des anderen anzuerkennen“, sagt Pflegeexperte Eggert. Keinesfalls darf er oder sie krankheitsbedingte Veränderungen des Partners oder der Partnerin persönlich nehmen. Besser ist es, sich bewusst zu machen: Der oder die Liebste kann nicht anders, mit mir hat das nichts zu tun. Womöglich kann es der nicht-pflegebedürftigen Person guttun, sich mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation auszutauschen – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.
Und eine Trennung vom pflegebedürftigen Partner – wäre die verwerflich? „Solche Bewertungen bringen nichts, das ist immer eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss“, sagt Marlene Ziegler-Stein. Wer vor der Frage einer Trennung steht, kann sich bewusstmachen, wie denn das Leben danach konkret aussähe. Dabei kann eine psychologische Beratung unterstützen. Vermisst etwa die nicht-pflegebedürftige Person Sexualität, dann bedarf es nicht zwangsläufig einer Trennung, um mit einem anderen Partner zusammenzukommen. „Für solche Bedürfnisse lässt sich womöglich gezielt jemand suchen“, sagt Marlene Ziegler-Stein. (dpa/tmn)

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