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BEZIEHUNG: Experten raten dazu, über die eigenen Gefühle zu sprechen – Wenn der Partner zu schnell zu viel will…
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Die Schmetterlinge kribbeln im Bauch, das Herz hüpft, wenn man den anderen sieht, alles scheint perfekt bei dieser neuen Beziehung. Doch dann legt der Partner ein rasantes Tempo vor: zusammenziehen, heiraten, Kinder kriegen, und das alles innerhalb weniger Monate. Da kann und will nicht jeder mithalten.

„Dass einem etwas zu schnell geht, ist ein subjektives Empfinden“, erklärt Jens Asendorpf, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Humboldt-Universität Berlin. „Es gibt keine Regeln, wann in einer Beziehung was passieren muss.“ Daher könne einer etwas als zu schnell empfinden, während es für jemand anderen gerade richtig oder sogar zu langsam sei.

Das komme gar nicht so selten vor, erklärt Diplom-Psychologin Nicola Wendenburg, Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen. „Jeder von uns hat eigene Bedürfnisse und Zeitpläne für sein Leben, das passt nicht immer mit den Vorstellungen und Bedürfnissen anderer überein.“

Psychotherapeutin Gabriela Jérôme aus Wiesbaden ergänzt: „Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von angemessenen Zeitbezügen. Ist es beispielsweise in meinem Lebensskript vorgesehen, dass ich, während ich auf Partnersuche bin, eine neue Bekanntschaft zunächst mindestens fünfmal in einem Lokal treffen muss, bevor es zu einem Kuss kommen darf?“

Geht der Partner schneller vor als man selbst, kann das unter Druck setzen. Zum Beispiel, wenn jemand nach einem halben Jahr Beziehung schon zusammenziehen will. „Das ist für die meisten Menschen erfahrungsgemäß zu schnell“, sagt Wendenburg. Dasselbe treffe zu, wenn jemand nach 6 Wochen Beziehung sagt „Ich liebe dich.“    „So ein Satz erfordert eine Antwort –  man gerät unter Druck und fühlt sich möglicherweise sogar überrollt“, sagt Wendenburg.

Eigene Gefühle ansprechen

Was jedoch tun? Den anderen vor den Kopf stoßen, will man ja auch nicht. „Ich gerate dann in ein Dilemma“, sagt Jérôme. „Soll ich meinem Lebensskript folgen oder dieses verlassen? Und wenn verlassen, für wie lange und bis wohin?“ Etwas nur zu tun, weil es der andere will, kann auch keine Lösung sein. „Wer etwas nur macht, um den anderen nicht zu verlieren oder um einen Konflikt zu vermeiden, ignoriert die eigenen Bedürfnisse“, warnt Wendenburg.

Besser ist daher, die eigenen Gefühle und Gedanken anzusprechen, rät Professor Asendorpf. „Das als Vorwurf zu formulieren, ist nie gut, aber es spricht nichts dagegen zu sagen, wie man sich fühlt.“ Jérôme rät außerdem, herauszufinden, was der andere genau will. „Was meint mein Partner mit dem Satz ‚Ich liebe dich‘ und ‚Ich möchte mit dir zusammenziehen?‘. Ist das eine momentane Gefühlsäußerung, weil das Wetter schön ist, der Wein gut schmeckt und ich gerade hinreißend aussehe? Oder sagt er beziehungsweise sie mir das bereits seit 2 Monaten alle paar Tage?“

Doch nicht immer ist der Partner zu forsch. Manchmal drücke man sich selbst um bestimmte Schritte. „Wenn ich Panik kriege, weil der Partner nach eineinhalb Jahren sagt ‚Ich liebe dich‘ und nach 3 Jahren mit mir zusammenziehen möchte, dann sagt das viel über mich aus“, findet Wendenburg. „Möglicherweise meide ich Nähe – aus welchen Gründen auch immer.“ Auch das sollte man mit dem Partner besprechen, zum Beispiel „Ich fühle mich mit dir und unserer Beziehung wohl. Dass ich mehr Zeit brauche, ist meine Baustelle, um die ich mich kümmern werde.“ (dpa/tmn)

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