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„Leben, um zu arbeiten“ ist kaum noch eine Option. Vielmehr will das Leben genossen werden – was zweifelsfrei keine schlechte Idee ist.
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Megatrend New Work

Wenn von Digitalisierung im Unternehmen, von Fachkräftemangel oder von flexiblen Arbeitszeiten die Rede ist, dann fällt spätestens im zweiten Atemzug der Begriff „New Work“. Das deutsche Zukunftsinstitut hat New Work als Megatrend bezeichnet. Deshalb die wichtige Frage: Worum geht’s da eigentlich?

Nein, es geht nicht um die amerikanische Millionenstadt. Auch wenn der Begriff ähnlich klingt. New Work bedeutet wörtlich übersetzt „neue Arbeit“. Wie so oft, hat sich der englische Begriff auch im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt. Im Grunde handelt es sich dabei um die Entwicklung von neuen Arbeitsformen im Zuge der Digitalisierung, einhergehend mit einer neuen Einstellung zum Arbeiten. Wenn wir von New Work sprechen, gehören flexible Arbeitszeiten ebenso dazu wie ortsunabhängiges und selbstbestimmtes Arbeiten, zudem neue Unternehmensstrukturen und unterschiedliche Arbeitsmodelle wie Coworking oder Workation. Beim ersten Beispiel mieten sich Menschen, die unterschiedliche Auftraggeber haben, in einen gemeinsamen Arbeitsbereich ein. Der Begriff Workation setzt sich indessen – übersetzt – aus Arbeit und Urlaub zusammen und meint den Trend, beides miteinander zu verbinden. Nicht zuletzt befasst sich New Work auch mit der viel zitierten Work-Life-Balance – ein weiterer Trendbegriff –, also mit dem Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben.

Leben, um zu arbeiten, ist out

Warum wir uns mit New Work auseinandersetzen müssen? Die Antwort darauf hat uns Corona in Teilen geliefert: 1. weil das Internet es uns heute möglich macht, zusammen zu arbeiten, ohne zusammen zu sein; 2. weil die durch ersparte Arbeitswege gewonnene Zeit einen erheblichen Mehrwert für viele Familien bringt; 3. weil auch Unternehmen die Vorteile von neuen Arbeitsformen schätzen gelernt haben, etwa eine zum Teil höhere Motivation der Mitarbeiter. Schon vor Corona haben viele junge Menschen die Vorzüge des ortsunabhängigen Arbeitens mit dem Laptop erkannt. Daraus und wohl auch aus vielen negativen Erfahrungen mit beruflich gestressten Eltern heraus hat sich die Einstellung gegenüber der Arbeit verändert. „Leben, um zu arbeiten“ ist kaum noch eine Option. Vielmehr will das Leben genossen werden – was zweifelsfrei keine schlechte Idee ist. Die aktuellen Diskussionen um die 4-Tage-Woche sind im Grunde nur das Ergebnis aus dieser veränderten Arbeitskultur und Lebensanschauung.

Sinnstiftendes tun ist in

Den Jungen geht es aber absolut nicht nur darum, zu „arbeiten, um zu leben“, sondern noch wichtiger ist ihnen das Sinnstiftende bei ihrem Tun. Sie begnügen sich deshalb nicht mehr damit, Befehlen ihrer Vorgesetzten zu gehorchen, sondern sie wollen sich an Entscheidungsprozessen beteiligen und sich mit der Arbeit identifizieren. Unternehmen profitieren davon, weil die Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen. Die Umstellung gelingt allerdings nur, wenn die Unternehmen zu vergleichsweise flacheren Hierarchien bereit sind, wenn sie ihren Mitarbeitern Vertrauen und Wertschätzung schenken, wenn sie den Digitalisierungsprozess vorantreiben und bei aller Selbstbestimmung der Mitarbeiter dennoch imstande sind, ein Team zu formen.

Die Nachteile von New Work

Weil die Arbeit im Zuge von New Work zum integralen Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens wird, lassen sich Beruf und Familie besser vereinen. Aber: Privatleben und Arbeit lassen sich in der Folge auch nicht mehr so strikt trennen wie früher. Und gerade darin liegt mitunter eine gewisse Gefahr. Feierabend – das war einst, als man den Arbeitsplatz nach den beruflichen Pflichten verlassen hat. Heute verleitet insbesondere ein hoher Stapel an Unerledigtem zu Überstunden. Gewissenhafte Personen neigen dazu, sich daheim nicht mehr richtig vom Beruf trennen zu können. Oder es ist genau umgekehrt: Mäkelnde Kinder, ein Wäscheberg, vielleicht sogar die Sonnenstrahlen am Balkon halten weniger disziplinierte Personen vom Arbeiten ab. Das ärgert nicht nur die Vorgesetzten, sondern vielfach die Personen selbst, die in der Folge an sich selbst und an ihren Fähigkeiten zu zweifeln beginnen. New Work hat also, wie letztere Beispiele zeigen, nicht nur Vorteile. Das sollten Unternehmer bedenken, wenn sie den Mitarbeitern mehr Freiraum bei der Gestaltung des beruflichen Alltags geben. Für New Work gibt es keine klaren Regeln oder Vorgaben. Jedes Unternehmen muss selbst abwägen und entscheiden, wie es mit dem Veränderungsprozess auf dem Arbeitsmarkt umgehen möchte. Sicher ist, dass der Fachkräftemangel dazu zwingen wird, der Entwicklung Rechnung zu tragen. Wer strikt an der Tradition festhält und keinen Platz für den notwendigen Spielraum für die Mitarbeiter schafft, der wird über kurz oder lang keine Mitarbeiter mehr finden. 

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