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Jobwechsel: Bewerber müssen sich für „Lücken im Lebenslauf“ nicht mehr rechtfertigen
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© Shutterstock

Wer einen Job kündigt, um einen neuen anzutreten, hat nicht immer einen nahtlosen Übergang. Manchmal liegen einige Wochen oder Monate zwischen den Stationen. Wie geht man die Übergangsphase an? Viele Stellen sind unbesetzt nach der Pandemie, die Wechselbereitschaft unter den Beschäftigten ist groß. Wer den Sprung in einen neuen Job wagt, startet dabei nicht immer lückenlos in ein neues Anstellungsverhältnis. Manchmal liegen zwischen dem letzten Arbeitstag im alten und dem ersten Arbeitstag im neuen Job Wochen oder gar ein paar Monate. Vorausgesetzt, man kann sich das leisten. Was treibt man in der Übergangsphase?

„Bis vor einiger Zeit wäre dieses Thema gar keine Frage gewesen“, sagt die Münchner Psychologin und Karriereberaterin Madeleine Leitner. Da sei allein der Wunsch unvorstellbar gewesen, Leerlauf zwischen 2 Jobs zu haben. „Da war das Menschenbild eben: Man arbeitet.

Auch heute gibt es der Karriereberaterin zufolge noch konservative Branchen, „da ist es wahrscheinlich noch immer die Ausnahme, dass man überhaupt überlegt, aus dem Muster auszuscheren“. Da starte man mit Ablauf der Kündigungsfrist beim neuen Arbeitgeber.

 

Lücken im Lebenslauf: Bewerber geben Regeln vor

Allerdings, so Leitner, gebe es heute in vielen Bereichen einen Bewerbermarkt. Und das heißt: „Bewerber diktieren die Regeln. Wenn man sich mal umguckt, wird ja fast überall gesucht.“ Insofern könne man heute andere Fragen stellen als noch vor einigen Jahren.

Mit Blick auf den Lebenslauf sei daher eine Auszeit oder Lücke bis zu einem halben oder sogar einem ganzen Jahr „überhaupt keine Diskussion mehr“. Ob das dann als Sabbatical oder Weltreise gelabelt wird, ist der Karriereberaterin zufolge zweitrangig. Auch Nico Rose zufolge dürfen Arbeitnehmer hier „entspannt agieren“. Es sei heutzutage völlig normal, dass Menschen zwischen 2 Anstellungen oder innerhalb eines Jobs ein Sabbatical einlegen. „Und das wissen auch die Unternehmen, zumindest jene, die mit guten Arbeitsbedingungen punkten wollen“, so der Coach und Buch-Autor.

 

Alles ist erlaubt – wenn man transparent ist

Bei der Frage, was man nun in der Übergangszeit treibt, sieht Madeleine Leitner in den meisten Branchen keine Ausschlusskriterien. „Wer seine Karriere wirklich durchplant und eine strikte Vorstellung vom eigenen Arbeitsleben hat, kann die Zeit natürlich für eine Weiterbildung oder Qualifizierung nutzen.“

Genauso könne man aber verreisen, chillen, ein Haus renovieren oder mal wieder Zeit mit der Familie verbringen, wenn die finanziellen Mittel dafür vorhanden sind. „Wichtig ist ein hohes Maß an Transparenz gegenüber dem zukünftigen Arbeitgeber“, sagt Nico Rose. Alles andere hängt von der konkreten Situation ab. „Hat man die letzten Jahre 'durchgepowert', ist es völlig legitim, auch einmal einige Monate Pause zu machen.“

Wer eine Auszeit plausibel erklären will, sollte auf Rat von Madeleine Leitner herausstellen, dass diese am Ende auch dem Arbeitgeber zugutekommt. „Studien etwa zeigen, dass der Großteil nach einer Auszeit wieder zufriedener ist.“ So könne man dem neuen Arbeitgeber vermitteln, dass eine Pause vor der Neuanstellung wichtig ist, um wieder Kräfte aufzubauen.

Die Ära, in der man eine solche Phase aktiv verkaufen muss, ist nach Einschätzung von Nico Rose aber ohnehin vorbei – „außer bei sehr hinterwäldlerischen Organisationen“. Man müsse die Weltreise auch nicht als Bildungsurlaub verklären. „Das war einmal.“

 

Erwartungen offen absprechen

Steht man als Wunschkandidat nicht zum Wunschzeitpunkt bereit, wollen Arbeitgeber oft Kompromisse aushandeln. Sie lassen sich auf einen späteren Eintrittstermin ein, wenn der oder die Neue vor Vertragsbeginn schon einmal an einem Schulungstermin teilnimmt oder bei einem ersten Einführungstermin dabei ist. Madeleine Leitner zufolge tut man gut daran, hier wechselseitige Erwartungen offen zu besprechen. „Womöglich ist ja wirklich Not am Mann und schon 5 Minuten meiner Expertise helfen enorm weiter.“ Wer sich weigert, obwohl es eigentlich problemlos einzurichten wäre, trägt nicht unbedingt zu einem positiven Start bei.

Nico Rose plädiert auch hier für Transparenz. „Prinzipiell ist es sicherlich ein gutes Signal, wenn man für die zukünftige Organisation – zumindest immer wieder einmal – erreichbar ist.“ Erstklassige Onboarding-Prozesse würden nicht erst an Tag eins beginnen, sondern schon in den Wochen davor. Andererseits, so der Psychologe, sollte die Organisation Verständnis aufbringen, wenn Menschen einige Zeit komplett offline sein möchten. Hier hilft eine klare Kommunikation. (dpa/tmn)

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