Logo Dolomiten Markt Online NegativeLogo Dolomiten Markt Online
Kleidung und KarriereKleidung und Karriere
Elnur

Das Dresscode-Einmaleins

Icon Calendar24.08.2026

Kleidung als nonverbale Kommunikation

Seriös oder lässig, kompetent oder unangemessen  –  mit unserem Kleidungsstil können wir sehr gut darauf einwirken, wie wir wahrgenommen werden. Das gilt auch für das Arbeitsleben. Ein häufiger Fehler insbesondere bei Berufskleidung: Der Stil des Outfits passt nicht zur Persönlichkeit. „Dafür gibt es Lösungen“, sagt die Expertin.

Eine Novelle von Gottfried Keller trägt den Titel „Kleider machen Leute“. Darin wird der Schneiderlehrling Wenzel für einen Grafen gehalten, und zwar wegen seiner vornehmen Kleidung. Was uns diese Geschichte vermitteln soll? Richtig: Was wir anhaben, sagt etwas über uns aus, wir kommunizieren über unsere Bekleidung. Noch bevor eine Konversation stattfindet, können wir unserem Gegenüber vermitteln, wer wir sind. Das gilt im Privatleben genauso wie im Job. Die Garderobe verrät eine Botschaft, sie ist eine Form von nonverbaler Kommunikation. Sie kann kompetent, sympathisch oder durchsetzungsstark wirken – oder eben nicht.

Spagat zwischen Business und Privatleben

In vielen Branchen gibt es einen Dresscode, also eine Kleiderordnung oder zumindest Richtwerte, zumal Menschen bei der Arbeit nicht nur sich selbst, sondern auch ein Unternehmen oder eine Institution repräsentieren. Die Frage ist nun: Wie gelingt der Spagat zwischen beruflichen Anforderungen und persönlichem Stil? „Im Business kommt es darauf an, über die Kleidung meine Persönlichkeit mit dem, was der Betrieb verlangt oder die Branche erfordert, ansprechend zu verbinden“, erklärt die Farb- und Stilberaterin Rosa Braun aus Vahrn. Das bedeutet: Auch wenn jemand im Privatleben einen locker-unkomplizierten Stil pflegt, sollte er oder sie im Umgang mit Kunden und im etwas gehobenen Geschäftsleben nicht allzu lässig daherkommen. „Die Frage soll lauten: Wie will ich wahrgenommen werden?“

Beispiel: Wer im Bankwesen Kunden über eine passende Geldanlage berät, der wird weder mit einem allzu tiefen Ausschnitt in der Bluse noch mit ungebügeltem T-Shirt und ausgetretenen, schmutzigen Schuhen wirklich ernst genommen. Ähnliches gilt für Gehaltsverhandlungen mit dem Chef oder für Krisengespräche. „Der erste Eindruck kann Türen öffnen und auch schließen“, weiß Rosa Braun.

Wer sich wohlfühlt, wirkt authentisch

Freilich hat nicht jeder in seinem Job Kundenkontakt, und als Buchhalter im Einzelbüro Krawatte zu tragen, ist wohl eher eine persönliche Entscheidung. Andererseits neigen vor allem Frauen hin und wieder dazu, mit ihrem Business-Outfit etwas zu übertreiben. Rosa Braun hält dazu Grundsätzliches fest: „Viel (Mode-)Schmuck, sehr kurze Röcke oder gar Hosen, sehr wenig Stoff im Oberteil – das alles wirkt unseriös.“

Im Gegensatz dazu steckt auch die freiheitsliebende Sportlerin im Dilemma, wenn sie zum Beispiel im Büro mit Kunden zu tun hat. „Man kann auch mit bequemer Bekleidung viel bewirken“, räumt die Farb- und Stilberaterin ein. Sprich: Es muss nicht die hochgeschlossene Bluse mit engem Rock sein. Auch ein einfaches Kleid oder eine sportliche Hose mit flottem Oberteil machen eine gute Figur. „Das Wichtigste ist, dass Schnitt, Stoffe und Farben zur Persönlichkeit passen, denn wer nur etwas trägt, weil es in Mode ist oder vom Unternehmen vorgeschrieben wird, und sich darin nicht wohlfühlt, der wirkt nicht authentisch."

Heikles Thema Berufsbekleidung

Damit wären wir bei einem heiklen Thema: Berufsbekleidung. Rosa Braun richtet diesbezüglich einen Appell an alle Vorgesetzten: „Macht Bekleidungsvorgaben, lasst den Mitarbeitern aber auch Freiräume.“ Es sei wichtig und wissenschaftlich erwiesen, dass mit dem Wohlfühlfaktor auch die Motivation steigt. „Ich hatte schon mehrere Kundinnen, die darüber geklagt haben, dass sie mit schwarzem Rock und weißer Bluse oder in gänzlich (weißer oder) schwarzer Kleidung bei der Arbeit nicht klarkommen.“ Auch ein farblich vorgeschriebenes Polo-Shirt zur Wiedererkennung könne demotivierend sein, wenn sich jemand darin nicht gut fühlt: „Besser ist es, den Mitarbeitern zum Beispiel eine Auswahl aus mehreren Farben zu lassen und auf der Bekleidung mit dem Logo des Betriebes zu spielen“, meint Rosa Braun. Das gelte übrigens auch für die Gastronomie, die nach Ansicht der Expertin selbst in der gehobenen Klasse vom Schwarz-Weiß abkommen darf. Umgekehrt hat sie festgestellt, dass in anderen Branchen mit gewohnt gehobenem Stil mitunter bereits sehr viel Freiheit herrscht, die kein angebrachtes Bild der Branche vermittelt: „Wie gesagt, es geht (auch) um die Wahrnehmung der Kunden.“

Apropos Wahrnehmung: Auch ein Schuh wirkt auf das Gegenüber und auf die Person, die ihn trägt. „Der Schuh muss mir ein gutes Auftreten und einen sicheren Stand ermöglichen“, sagt Rosa Braun.

Unabhängig vom Outfit unterstreicht die Farb- und Stilberaterin, dass Sauberkeit und eine ordentliche Erscheinung, zum Beispiel eine gebügelte Bluse, keine Löcher in der Jeans und Schminke in Maßen, Voraussetzungen dafür sind, dass die Mitarbeiter einen Betrieb gut vertreten. „Kleidung spiegelt das Image, das Unternehmen, das Produkt, die Qualifikation und vieles mehr wider“, fasst sie zusammen.

Der kleine große Unterschied

Persönliche Farben
Passende Farben, das gilt allerdings nur für den Oberkörper, verbinden sich mit der Hautpigmentierung, den Haaren und der Augenfarbe. Sie steigern das persönliche Wohlgefühl, unterstützen die Ausstrahlung und geben Sicherheit beim Kombinieren aller Kleidungsstücke. Farben, die einem gut oder weniger gut stehen, bleiben zeitlebens gleich.

Persönlicher Stil
Im Unterschied zu den persönlichen Farben ist der persönliche Stil zeitlebens im Wandel. Sobald sich eine Person verändert, ändert sich der Kleiderstil.

Rosa Braun – das ist übrigens kein „Künstlername“ – wohnt in Vahrn und hat in München eine Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin absolviert. Sie berät Frauen und Männer und hält Seminare in Unternehmen, für Organisationen und für private Gruppen. Dabei erfahren Teilnehmer auch, wie sie mit einfachen Mitteln den Spagat zwischen Business und eigener Persönlichkeit schaffen und wie Vorgesetzte Kleidungsvorschriften so gestalten, dass sie für den Betrieb gut vertretbar sind, ohne die Individualität der Mitarbeiter gravierend einzuschränken.

© Alle Rechte vorbehalten