

Immer mehr Bürohunde
Gute Vibes, weniger Stress
In Südtirol gibt es mehr als 40.000 Hunde. Fast die Hälfte der Arbeitnehmenden besitzt einen Hund und immer mehr bemühen sich darum, ihren Hund mit an den Arbeitsplatz zu nehmen. Die Südtirolerinnen und Südtiroler stehen diesem Ansinnen eher skeptisch gegenüber. In Deutschland gibt es sogar einen Bundesverband für Bürohunde. Die Vierbeiner mit der feuchten Nase reduzieren nachweislich Stress und fördern Motivation und soziale Interaktion am Arbeitsplatz.
Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund“, sagte schon Hildegard von Bingen. Barbara Gambino, Pressereferentin des Teatro Stabile in Bozen, stimmt dem voll und ganz zu. Seit 2014 bringt sie ihren Hund jeden Tag mit ins Büro, zuerst Margaux und jetzt Uma. Beides sind schokobraune Labradorhündinnen. Und nicht nur sie, auch eine Kollegin ist jeden Tag von ihrem Hund begleitet. „Sie den ganzen Tag bei mir haben zu können, hat mein Leben geändert“, unterstreicht Barbara. Kein Stress, wenn der Arbeitstag mal länger dauern sollte, und eine entspannte Arbeitsatmosphäre. „Sie neben mir liegen zu haben, entspannt mich.“ Aber: „Ich würde nicht jeden beliebigen Hund mit zur Arbeit nehmen. Ein Labrador ist ein ruhiger, ausgeglichener und nicht aggressiver Hund.“
Maskotten des Teams
Die beiden Theaterhunde sind längst Maskotten des gesamten Teams. „Wir können das aber nur, weil jede von uns ein eigenes Büro hat und wir keinen Publikumsverkehr haben“, betont Barbara Gambino. „In einem Großraumbüro wäre das nicht möglich!“ Außerhalb des Büros ist Uma in den Räumlichkeiten des Theaters immer angeleint und in den Theatersaal darf sie nicht. Das Büro ist längst ihr zweites Zuhause, deshalb bleibt sie auch alleine dort.
Wer einen Hund oder auch ein anderes Tier mit zum Arbeitsplatz nehmen möchte, braucht vor allen Dingen die Genehmigung vonseiten des Arbeitgebers und es muss sichergestellt sein, dass keiner der Kollegen allergisch ist oder Angst vor dem Tier hat. Die Genehmigung kann jederzeit widerrufen werden.
In den meisten Fällen sind es aber Hunde, die ihre Herrchen und Frauchen jeden Tag zur Arbeit begleiten. Und es sind laut dem Bundesverband für Bürohunde von Jahr zu Jahr mehr. Der Verband wartet auf seiner Website mit interessanten Daten auf: 57 Prozent der Mitarbeitenden, die ihren Hund zum Arbeitsplatz bringen können, zeigen eine geringere Bereitschaft zum Jobwechsel als Kolleginnen und Kollegen ohne Hund. Hunde wirken beruhigend auf Menschen und führen zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das Stresshormone reduziert. Der menschliche Körper bildet im Umgang mit Hunden auch Dopamine, sogenannte Glückshormone. Mitarbeitende, die einen Hund im Büro oder in der Werkstatt vorfinden oder mitbringen, sind demnach weniger gestresst, ausgeglichener und damit produktiver und dasselbe gilt für das gesamte Team. Hunde tragen erwiesenermaßen zu einem besseren Arbeitsklima bei, weil sie soziale Interaktionen fördern. Und: Sie fördern erfolgreiche Kundengespräche. Die Gassipausen schließlich wirken sich positiv auf die Gesundheit aus und fördern die Kreativität, weil das Gehirn nach der Pause erfrischt besser arbeiten kann.
Südtirol ist eher skeptisch
Die Südtirolerinnen und Südtiroler stehen dem Phänomen Bürohunde allerdings eher negativ gegenüber. Bei einer spontanen Umfrage von Südtirol News, bei der 7000 Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Meinung befragt wurden, gaben 74 Prozent an, dass sie gegen Hunde am Arbeitsplatz seien. Dem steht gegenüber, dass die Zahl der Hunde in Südtirol stetig wächst. Ein Grund für das negative Klima gegen Hundehalter liegt vermutlich in einer gewissen Nachlässigkeit der Besitzerinnen und Besitzer, den Hundekot zu entsorgen. Hier hat Südtirol europaweit Aufmerksamkeit mit einem – umstrittenen – 2022 erlassenen Landesgesetz gesorgt: Zum 1. Januar 2024 hätten alle Hunde genetisch erfasst werden sollen, liegen gelassener Hundekot führt damit über eine DNA-Bestimmung zum Besitzer, der dann zur Kasse gebeten wird. Die Strafen für Kotliegenlasser liegen zwischen 292 und 1048 Euro.
Hunde sind nicht die einzigen Tiere, die Berufstätige an den Arbeitsplatz bringen (möchten), wenn auch die häufigsten. Es gibt Büro-Fische und Büro-Hamster und sogar einige Büro-Katzen. Allerdings sind Katzen sehr territorial und mögen es gar nicht, den Ort zu wechseln. Katzen müssten deshalb direkt im Büro gehalten werden. Ein weiteres Problem bei Katzen ist die sehr weit verbreitete Allergie gegen bestimmte Eiweiße, die sich vor allem im Speichel der Katze befinden und von den reinlichen Tieren mit der Zunge systematisch auf dem ganzen Fell verbreitet werden. Aus diesem Grund muss sichergestellt werden, dass keiner im Team an dieser Überreaktion des Immunsystems leidet, und es darf keinen Publikumsverkehr geben.
Es gibt natürlich auch Arbeitsplätze, an denen es aus hygienischen oder Sicherheitsgründen von vornherein ausgeschlossen ist, Haustiere mit zur Arbeit zu nehmen: Krankenhäuser, Arztpraxen, Laboratorien, Restaurants, Großküchen, Kindertagesstätten, Kindergärten oder Schulen und Maschinenhallen.
Sigmund Freud brachte seinen Hund in die Praxis
Eine Ausnahme sind Praxen von Psychologinnen/Psychologen oder Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten. Bereits der Begründer der modernen Psychotherapie, Sigmund Freud, wurde jeden Tag von seiner Chow-Chow-Hündin Jofi in die Praxis begleitet. Er hatte festgestellt, dass die Hündin bewusst Körperkontakt mit Patientinnen/Patienten suchte, die an Depressionen oder unter Stress litten, und dass bestimmte Patientinnen/Patienten sich einer Therapie erst dann öffneten, wenn die Hündin zugegen war. Studien an Elite-Universitäten in den Vereinigten Staaten haben gezeigt, dass die Präsenz von Hunden stressmindernd auf Studierende unter Examensdruck wirke und zu besseren Ergebnissen führe.
Die deutsche Familienversicherung hat eine Liste mit Hunderassen zusammengestellt, die mehr oder weniger für die Präsenz am Arbeitsplatz geeignet sind. Besonders gut eignen sich demnach Golden Retriever, Labrador, Neufundländer, Malteser, die Französische Bulldogge sowie der Mops. Aber abgesehen von Kampfhunden und als besonders aggressiv bekannten Rassen eignen sich grundsätzlich fast alle Hunde für den Büroalltag, vorausgesetzt, sie sind gut erzogen, hören ihren Besitzerinnen/Besitzern aufs Wort und sie bellen nicht. Kläffer sind ein No-Go. Es gibt in Italien (noch) keine spezifische Gesetzesregelung für Bürohunde, aber es versteht sich von selbst, dass die Hunde regelmäßig geimpft und sauber gehalten werden müssen. Hundehalterinnen/-halter sind verpflichtet das Gesundheitsbuch des Tieres mit sich zu führen, dem Tier genügend Wasser und Nahrung zur Verfügung zu stellen und für den Notfall auch einen Maulkorb bereitzuhalten.
Fazit: Bürohunde sind mehr als nur tierische Begleiter – sie fördern Wohlbefinden, Kreativität und ein positives Miteinander. Vielleicht ist es an der Zeit, ihnen auch in Südtirol eine Chance zu geben.
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