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Technik: Das von Mercedes-Benz und Bosch entwickelte System zum automatischen Einparken geht in Serie
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© dpa-tmn/Bernd Weißbrod

App and go! Dank Smartphone und Hightech können erste Autos in Parkhäusern wie von Geisterhand Parklücken ansteuern. Nur eine Spielerei? Nicht ganz, denn die zugrunde liegende Technik wird ausgebaut.
Kurz aufs Smartphone tippen, App öffnen und das Auto ins Parkhaus schicken. Und das Ganze, ohne dass man noch hinter dem Lenkrad sitzen müsste. Ein Traum für gestresste Menschen und Leute, die sich davor hüten, in Parkhäusern zu parken.
Einparkhilfen gibt es viele: Nach Front- und Heck-Piepern kamen Kameras für die bessere Übersicht beim Rangieren, dann das Einparken per Handy-Fernbedienung wie bei einem ferngesteuerten Auto. Nun fahren die ersten Modelle selbstständig in die Lücke – ohne dass man noch irgendwie steuernd eingreifen muss.
Was einfach klingt, ist technisch hochkomplex. Denn dazu müssen Autos auf der Skala für automatisierte Fahrfunktionen dem vierten Level entsprechen. Bislang assistierten Autos Fahrern und Fahrerinnen beim Einparken nur.
Erforderlich ist dazu allenfalls Level 2, das teilautonome Funktionen beschreibt. Bei Level 3 muss der Fahrer nicht mehr auf die Straße schauen, aber bereit sein, in bestimmten Situationen innerhalb von 10 Sekunden das Steuer wieder zu übernehmen.

Eine enorme Herausforderung
Für selbstständig einparkende Autos sind jedoch Level-4-Systeme notwendig. Weil niemand mehr an Bord sein muss, werden dem Auto absolute Fähigkeiten abverlangt: Entsprechende Fahrzeuge müssten „zu 99,999 Prozent“ zuverlässig sein, sagt Markus Lienkamp, Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München. „Das ist eine enorme Herausforderung, die schnelle, vorausschauende und sehr gute Sensoren und Computer verlangt.“
Als einer der ersten Hersteller auf dem Level angekommen ist Mercedes-Benz. Zusammen mit Bosch hat das Unternehmen Anfang 2023 vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Zulassung für ein Level-4-System im Parkhaus am Stuttgarter Flughafen erhalten.
Damit dürfen bestimmte, entsprechend ausgerüstete Modelle der S-Klasse  dort fahrerlos einparken. „Die Herausforderung liegt darin, dass das System diese Aufgabe in allen Situationen erfüllen muss, auch wenn ein anderes Auto plötzlich den Weg versperrt“, sagt Joachim Missel, der bei Mercedes die Entwicklungsabteilung für autonomes Fahren leitet.

Eigene Infrastruktur im Parkhaus
Das System funktioniert so: Zunächst reserviert der Fahrer oder die Fahrerin über die Mercedes-App einen Parkplatz. In einem definierten Übergabebereich im Parkhaus wird das Auto sich selbst überlassen und der Parkprozess via App eingeleitet.
Damit dem Auto das Einparken gelingt, ist eine eigene Infrastruktur im Parkhaus notwendig: Speziell entwickelte Stereokameras von Bosch und eine Funkverbindung, über die Informationen zwischen Parkhaus und Fahrzeug geteilt werden.
Denn das Auto muss stets blitzschnell stoppen können. „Fürs fahrerlose Parken sind Redundanzen beim Bordnetz und bei der Bremse ausreichend, denn hier geht Anhalten schneller als Ausweichen“, sagt Missel, „die Sicherheitsvorkehrungen auf der Fahrzeugseite werden immer auf den Anwendungsfall zugeschnitten.“

„Geringes Sicherheitsrisiko“
Das Level-4-System funktioniert also auch deshalb schon, weil es bei Schrittgeschwindigkeit agiert. „Das Sicherheitsrisiko ist gering, die Sensoren müssen nicht so weit und schnell vorausschauen wie bei Autobahntempo“, erläutert Lienkamp.
Doch die Autohersteller arbeiten längst an weiteren Lösungen. Mit leistungsfähigeren Sensoren werde Level 4 noch in diesem Jahrzehnt auch bei hohen Geschwindigkeiten möglich sein. Vorbehalten sein wird dies zunächst Oberklassefahrzeugen wie von Audi, BMW, Porsche und Mercedes. Oder Lastwagen.
Das automatische Parken für Pkw will Mercedes auch in anderen Städten anbieten. Den nächsten Meilenstein sieht Joachim Missel in höheren Geschwindigkeiten bei Level-3-Fahrzeugen auf Autobahnen und weiteren Level-4-Funktionen, ebenfalls bei höherem Tempo: „Wir werden aber Systeme für Fahrer entwickeln, die auch noch selbst fahren wollen.“ Nur halt nicht mehr im Parkhaus.

Kein großer Durchbruch
Dass der Parkassistent von Mercedes der große Durchbruch bei Level-4-Fahrzeugen wird, glaubt Professor Lienkamp allerdings nicht.
„Der Anwendungsfall ist überschaubar, da bietet ein Staupilot mehr Praxisnutzen.“ Oder gleich autonomes Fahren – das Anwendungsgebiet der Level-4-Technik stuft der Wissenschaftler als relevanter ein als einen vollautomatischen Einpark-Assistenten – vor allem bei Nutzfahrzeugen. (dpa/tmn)

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