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Ralf Geithe von Getty Images

Kohlenmonoxid

Icon Calendar30.01.2026

Unsichtbare Gefahr im Alltag

Das farb-, geruch- und geschmacklose Gas entsteht bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Brennstoffen wie Holz, Gas, Kohle oder Benzin. Die größte Gefahr liegt darin, dass Kohlenmonoxid vom Menschen nicht wahrgenommen werden kann. Es gibt keine auffälligen Warnzeichen wie Rauch oder Gestank, die auf eine mögliche Vergiftung hindeuten. Doch die Folgen einer hohen Kohlenmonoxidkonzentration im Blut sind dramatisch und können binnen weniger Minuten tödlich enden.

Die unsichtbare Bedrohung: Wie Kohlenmonoxid entsteht

Kohlenmonoxid bildet sich, wenn Brennstoffe wie Gas, Holz, Kohle, Benzin unvollständig verbrennen. Eine unvollständige (schlechte) Verbrennung erfolgt vor allem in schlecht belüfteten Räumen. „Ursache für die CO-Bildung ist, dass bei der Verbrennung nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist, um die vollständige Oxidation des Kohlenstoffs zu gewährleisten. Anstatt des harmlosen Kohlendioxids (CO₂) entsteht so Kohlenmonoxid – ein hochgiftiges Gas“, erklärt Christoph Oberhollenzer, der Leiter der Landesfeuerwehrschule in Vilpian.

Typische Quellen für Kohlenmonoxid in Haushalten und Wohnungen sind:

  • Nicht fachgerecht installierte bzw. errichtete oder schlecht gewartete Heizungen, Gasthermen, Öfen und Kamine. Wenn diese Geräte nicht richtig funktionieren, können sie Kohlenmonoxid in den Raum abgeben.

  • Grillen in geschlossenen Räumen. Wer beispielsweise bei schlechtem Wetter statt im Freien im eigenen Heim oder in der Garage mit Holzkohle oder Gas grillt, riskiert eine Kohlenmonoxidvergiftung. 

  • Benzin- und gasbetriebene Geräte und Fahrzeuge. Benzingeneratoren, Gasheizstrahler und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind ebenfalls häufige Ursachen für Kohlenmonoxidvergiftungen, wenn sie in schlecht belüfteten Räumen oder Garagen laufen.

  • Lagerung von Pellets für Holzheizungen. Auch die Lagerung von Pellets, aus denen später Energie gewonnen wird, kann problematisch sein. In kleinen, nicht belüfteten Räumen können Pellets aufgrund eines chemischen Prozesses Kohlenmonoxid freisetzen.

Wie Kohlenmonoxid im Körper wirkt

Wenn Kohlenmonoxid in die Lunge gelangt, bindet es sich mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Dieser Transportstoff, der normalerweise Sauerstoff durch den Körper zu den Zellen transportiert, hat nun „Verkehrsstau“. Das Kohlenmonoxid blockiert die Bindungsstellen, sodass der Sauerstoff nicht mehr richtig an das Hämoglobin gebunden werden kann. Als Folge wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt – ein Sauerstoffmangel entsteht.

Im Extremfall führt dieser Mangel zu schwerwiegenden Schäden in den Organen, besonders im Gehirn, in der Herzmuskulatur und in anderen Bereichen des Körpers. Da der menschliche Körper durch den Sauerstoffmangel zunehmend geschädigt wird, können Betroffene ohne Behandlung innerhalb kurzer Zeit bewusstlos werden und sogar sterben.

Symptome einer Kohlen­monoxidvergiftung

Die Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung sind oft unspezifisch und ähneln denen einer Erkältung oder Grippe. Zu den ersten Anzeichen gehören:

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Schwindel und Benommenheit

  • Schwächegefühl und Müdigkeit

Da diese Symptome auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten können, wird eine Kohlenmonoxidvergiftung oft nicht sofort erkannt. Bei höheren CO-Konzentrationen verschärfen sich die Symptome, und es können folgende auftreten:

  • Atemnot

  • Brustschmerzen

  • Verwirrtheit und Halluzinationen

  • Bewusstlosigkeit

Besonders gefährdet sind Menschen, die während des Schlafs mit Kohlenmonoxid konfrontiert werden. In diesem Fall kann es schnell zu Bewusstlosigkeit und zum Tod führen, bevor die Betroffenen aufwachen und die Gefahr erkennen. Auch Kleinkinder, ältere Menschen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besonders empfindlich gegenüber diesem Gift.

Kohlenmonoxid: Die tödliche Geschwindigkeit

Konzentration von nur einem Prozent dieses Gases kann innerhalb von Minuten zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen. Das Blut verfärbt sich durch die Bindung von Kohlenmonoxid kirschrot, sodass die Betroffenen – trotz schwerer Vergiftung – äußerlich oft gesund aussehen. Sie können zu einem späteren Zeitpunkt zusammenbrechen, da alle Körperfunktionen plötzlich versagen. „Wenn der CO-Gehalt im Blut bei 50  Prozent liegt, ist der Tod in der Regel unvermeidlich – ohne eine sofortige Sauerstoffzufuhr“, weiß Schulleiter Oberhollenzer.

Schutz vor Kohlen­monoxidvergiftungen

Angesichts der Gefährlichkeit von Kohlenmonoxid ist es entscheidend, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um sich und seine Familie zu schützen. Einige grundlegende Sicherheitsvorkehrungen sollten dabei immer beachtet werden ...

  • Regelmäßige Wartung von Heizgeräten und Öfen: Heizsysteme, Gasthermen, Kamine und Öfen sollten regelmäßig von Fachleuten gewartet werden. Defekte Geräte sind eine der häufigsten Ursachen für Kohlenmonoxidvergiftungen.

  • Richtig lüften: Besonders beim Heizen mit Holz, Gas oder Kohle muss für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden, damit die Verbrennung vollständig erfolgen und das Gas entweichen kann.

  • Vermeidung von Grillen in geschlossenen Räumen:Grillen sollte nur im Freien und niemals in geschlossenen Räumen wie in der Garage oder in einem Keller stattfinden.

  • Kohlenmonoxidmelder installieren: Ein Kohlenmonoxidmelder kann Leben retten. Diese Geräte funktionieren ähnlich wie Rauchmelder und schlagen bei einer erhöhten CO-Konzentration Alarm. Sie sind für relativ wenig Geld erhältlich und können in jedem Haushalt installiert werden.

  • Sicherer Umgang mit Geräten: Benzin- und gasbetriebene Geräte wie Stromerzeuger oder Heizpilze sollten nur im Freien und niemals in geschlossenen Räumen betrieben werden.

Was tun bei Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung?

Wenn der Verdacht besteht, dass jemand an einer Kohlenmonoxidvergiftung leidet, ist sofortige Hilfe erforderlich. Die betroffene Person sollte umgehend an die frische Luft gebracht werden. Sobald sie im Freien ist, sollte über den Notruf 112 der Notarzt verständigt werden. Die einzige wirksame Behandlung besteht in der Gabe von reinem Sauerstoff. In schweren Fällen wird die Behandlung in einer Druckkammer durchgeführt.

Fazit: Sicherheit sollte oberste Priorität haben

Kohlenmonoxidvergiftungen sind eine reale Gefahr, die oft unterschätzt wird. „Die Gefahren, welche von mit kohlenstoffhaltigen Brennstoffen wie Holz, Kohle, Öl, Gas betriebenen Heizanlagen und Feuerstätten ausgehen, werden immer wieder unterschätzt“, sagt Oberhollenzer. „Jährlich ereignen sich dadurch in Südtirol rund 120 Brände und auch lebensgefährliche Vergiftungen durch Entstehung von Kohlenmonoxid.“ Die Bevölkerung könne sich in Südtirol auf einen leistungsfähigen Feuerwehr- und Rettungsdienst verlassen. „Innerhalb von wenigen Minuten nach einem Alarm ist eine Feuerwehr vor Ort, um die Menschenrettung und Gefahrenabwehr durchzuführen“, betont der Schulleiter.

„Bei Kohlenmonoxid kann es aber schon zu spät sein, weil es hochtoxisch, das heißt, sehr giftig ist.“ Deshalb seien alle vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung der Entstehung von Kohlenmonoxid (fachgerechte Anlagen, regelmäßige Kontrollen und Wartungen, richtige Bedienung usw.) für die Sicherheit entscheidend. „Auch entsprechende Sensibilisierungskampagnen sind sinnvoll“, betont der Leiter der Landesfeuerwehrschule. 

Christoph Oberhollenzer ist seit Jahrzehnten Leiter der Landesfeuerwehrschule in Vilpian und Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols. Der 62-jährige Diplomingenieur hat bei der Berufsfeuerwehr in Wien eine Offiziersausbildung erfolgreich abgeschlossen.

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