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Leidest du an „Aufschieberitis?"

Icon Calendar16.09.2026

Heute, nicht morgen!

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Übermorgen ist auch noch Zeit.“ Diese augenzwinkernde Abwandlung eines bekannten Sprichwortes beschreibt erstaunlich treffsicher den Alltag vieler Berufstätiger. Irgendwo zwischen Vorsatz und Versuchung hat sich bei ihnen die Gewohnheit eingeschlichen, Dinge später zu erledigen. Oder noch später. Oder nie.

Schon einmal etwas von Prokrastination gehört? Klingt wie eine schlimme Krankheit oder das Ausharren im Kerker. Ist aber weder das eine noch das andere. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Vertagung auf morgen“. Salopp ausgedrückt: Aufschieberitis. Dabei geht es um die Angewohnheit, seine Verpflichtungen oder Aufgaben ständig zu verschieben, obwohl sie wichtig sind. Am Ende gibt es Stress, Hektik, ein äußerst mäßiges Ergebnis – und manchmal auch gar keines. 

Wenn Aufschieben System bekommt

Allerdings gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Prokrastination und Aufschieberitis. Letztere hat eher damit zu tun, dass bestimmte Charaktere besser oder lieber unter Druck arbeiten, als Aufgaben planmäßig Schritt für Schritt zu erledigen. Das klappt dann meistens gut, wenngleich mit Kaffee oder nächtlichen Überstunden. 

Wenn Psychologen hingegen von Prokrastination sprechen, meinen sie mehr als bloßes Aufschieben. Vielmehr handelt es sich um eine regelrechte innere Abneigung gegen bestimmte Aufgaben, die dazu führt, dass Betroffene immer wieder auf Ersatzhandlungen oder Ausreden zurückgreifen. Manchmal steckt Angst dahinter, manchmal mangelndes Selbstbewusstsein, manchmal hat eine Person einfach nicht gelernt, Prioritäten zu setzen. Und mitunter ist sogar ein gewisser Perfektionismus die Ursache für Prokrastination. Plötzlich wird dann die Wohnung geputzt oder Klarinette geübt, nur um der eigentlich drängenden Verpflichtung zu entgehen. Denn: Sie könnte ja schiefgehen oder bestimmten Erwartungen nicht gerecht werden – mit allen negativen Konsequenzen. 

Wichtig: Prokrastination hat nichts mit Faulheit zu tun! Die Betroffenen sind durchaus aktiv – nur eben nicht dort, wo es gerade nötig wäre.

3 Typen von Aufschiebern

Die Psychologie unterscheidet 3 Haupttypen von Menschen, die prokrastinieren:

- Perfektionisten haben extrem hohe Ansprüche an sich, akzeptieren keine eigenen Fehler und fangen deshalb gar nicht mit der Aufgabe an – aus Angst, den Erfordernissen nicht zu 100 Prozent gerecht zu werden.

- Vermeidungskünstler leiden eher unter mangelndem Selbstbewusstsein. Aus Angst vor Kritik, Ablehnung und Scheitern schieben sie unangenehme Dinge lieber auf und erledigen stattdessen das, was sie sicher beherrschen.

- Tagträumer flüchten gern vor der Realität. Sobald etwas unangenehm oder herausfordernd wird, ziehen sie sich in ihre Fantasiewelten zurück und hoffen, dass sich die Aufgabe irgendwie von selbst löst.  

Von der Peinlichkeit zum Karrierestopp

Im Berufsleben kann ständiges Aufschieben von Aufgaben durchaus zum Problem werden. Wer ständig plant, aber nichts umsetzt, wird früher oder später unangenehm auffallen. Wer als Führungskraft schwierigen Mitarbeitergesprächen aus dem Weg geht, indem er sich mit nebensächlichen Terminen eindeckt, wird damit rechnen müssen, dass die internen Konflikte weiter schwelen. Und die Präsentation wird auch nicht besser, wenn die optische Gestaltung Wochen dauert, während der Inhalt noch offen ist. Die möglichen Konsequenzen: versäumte Deadlines, Umsatzverluste, Vertragsstrafen, Versetzung oder Karrierestopp, hohe Reparaturkosten oder gar ein Unfall wegen Unterlassung von Pflichten. 

Keine Krankheit, aber Störung

Ärgerlich für die Betroffenen ist, dass sie selbst unter der Aufschieberei leiden und vom Verstand her wissen, dass sie zu nichts führt. Doch sie einfach abzustellen, gelingt ihnen einfach nicht, weil das Verhalten nach einem eingespielten Muster abläuft. Trotzdem wird Prokrastination nicht, wie Spiel- oder Alkoholsucht, zu den Krankheiten gezählt, sondern es handelt sich um eine sogenannte Arbeitsstörung. Und es gibt Strategien, sie zu überwinden. Das gelingt nicht immer ohne Unterstützung von außen, aber es ist machbar.

6 Tipps gegen Aufschieberitis

Tipp 1: Klare Ziele setzen

Nicht „Ich muss die Masterarbeit bis Ende des Monats schaffen“, sondern „Ich schreibe jeden Tag von 15 bis 16 Uhr an der Masterarbeit“. Wichtig: Diese Stunde konsequent blockieren. Keine Minute später beginnen, aber auch keine Minute länger arbeiten. Stattdessen in der Woche darauf täglich eineinhalb Stunden blockieren.

Tipp 2: Schritt für Schritt

Statt „Ich muss den Monatsbericht fertig machen“ lieber klein anfangen: „Ich öffne jetzt die Datei und notiere die wichtigsten Stichpunkte.“ Das senkt die Hürde – und der nächste Schritt fällt gleich viel leichter.

Tipp 3: Durchatmen 

Ist der Widerwille überwältigend, hilft es oft, bewusst tief ein- und vor allem auszuatmen. 3 tiefe Atemzüge, und dann: „Achtung, ich starte jetzt!“ Auch Atemtechniken wie die Bauchatmung oder die Quadratatmung helfen.

Tipp 4: Pomodoro ausprobieren

Das ist eine Zeitmanagement-Technik, bei der die zur Verfügung stehende Zeit – sagen wir 4 Stunden – in Intervalle eingeteilt wird. Der Erfinder hat ein Intervall Pomodoro genannt. Ein Pomodoro kann zum Beispiel 25 Minuten umfassen. Danach gibt’s eine 5-Minuten-Pause. Und so geht’s bis zum Ende der 4 Stunden weiter. Das hilft, konzentriert zu bleiben und sich bewusst nicht abzulenken.

Tipp 5: Ablenkung vermeiden

Alles, was stört – und das ist meistens das Smartphone –, bewusst weglegen, am besten im Flugmodus in einen anderen Raum. 

Tipp 6: Sich belohnen

Es ist ganz wichtig, sich nach der geschafften Aufgabe bewusst zu werden, dass man es tatsächlich geschafft hat. Das gelingt am besten mit einer Belohnung. Zum Beispiel: Der Freundin per Smartphone eine Nachricht schreiben: „Juchuh, das erste Kapitel ist geschrieben!“ Oder: „Endlich, Kaffee!“