

Abgesagt, und nun...
Wenn Bewerbende nicht die erste Wahl sind
Wahr ist, dass vielerorts Personalmangel herrscht und Jobs daher aktuell leichter zu finden sind als noch vor einigen Jahren. Nicht wahr ist, dass Arbeitssuchende quasi mühelos genau jene Stelle bekommen, die sie sich wünschen. Bewerbungsabsagen sind manchmal schmerzhaft, aber sie sind kein Grund aufzugeben.
Eine Absage auf eine Bewerbung ist bei vielen Arbeitssuchenden noch kein Grund zur Sorge. Häufen sich negative Bescheide, machen sich bei einigen aber schnell Selbstzweifel breit: Bin ich womöglich nicht gut genug? Was haben andere, was ich nicht habe? Soll ich es überhaupt noch wagen, mich bei einem Unternehmen zu bewerben? Solche Fragen schleichen sich gern in die Gedankenwelt ein, sind aber weder begründet noch sinnvoll.
Statt sich selbst in Frage zu stellen oder gar zu bemitleiden, ist es ratsam, aktiv und konstruktiv mit der Situation umzugehen. Das bedeutet vor allem, die Absage nicht persönlich zu nehmen. Leichter gesagt als getan, werden sich manche jetzt denken. Deshalb hier ein paar Tipps, wie es funktionieren könnte.
Ruhe bewahren
So viel Mühe umsonst? Da zeigen sich Wut und Frust schon mal in Form von Tränen und abfälligen Ausdrücken. Lass es raus, atme danach aber wieder durch und mach dir klar: Jede, wirklich jede Bewerbung birgt das Risiko einer Absage. Von 10 Bewerbenden auf eine einzige Stelle bleiben 9 auf der Strecke. Du bist nur einer aus der Mehrheit.
Absage analysieren
Ist die Absage begründet, überlege dir, ob du etwas anders machen hättest können. Zum Beispiel, wenn die Begründung lautet: „Ihre Bewerbungsunterlagen waren leider nicht vollständig“ oder „Ihre Qualifikationen entsprechen leider nicht unseren Erwartungen“. Das sind Aufforderungen, beim nächsten Mal etwas mehr Genauigkeit walten zu lassen. Ist die Absage hingegen positiv formuliert – „Ihre Bewerbung hat uns überzeugt, doch wir haben uns letztendlich für einen anderen Bewerber entschieden“ –, hast du vieles richtig gemacht. Versuch es einfach weiter und gib nicht auf.
Nach Begründung fragen
Leider sind standardisierte Absagen ohne nachvollziehbare Begründung keine Seltenheit. In einem solchen Fall lohnt es sich, nachzuhaken und höflich nach der Begründung zu fragen. Die Nachfrage zeigt zudem, dass du ein wirkliches Interesse an der Stelle hast. Beispiel: „Ich bedauere die Absage sehr. Für meine weiteren Vorstellungsgespräche würde es mir aber sehr helfen, wenn Sie mir die Gründe dafür nennen könnten. Vielleicht können wir kurz telefonieren, oder Sie schreiben mir eine E-Mail …“
Unterlagen kontrollieren
Nach jeder Absage, unabhängig ob begründet oder nicht, kann eine Kontrolle der Bewerbungsunterlagen nützlich sein. Vielleicht hast du für das Anschreiben nur einen Standardtext aus dem Internet kopiert. Vielleicht hast du schlichtweg nur eine Anlage vergessen. Bist du dir sicher, dass keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Text vorkommen? War die Bewerbung äußerst kurz oder sehr lang? Auch das kann ein Grund für die Nichtberücksichtigung sein.
Gespräch analysieren
Waren die Unterlagen o.k. und ist hingegen das Bewerbungsgespräch fehlgeschlagen, dann kann das an deinem Auftreten liegen. Hast du vor Antworten öfter gezögert oder ständig dein Licht unter den Scheffel gestellt, um nicht arrogant zu erscheinen? Bist du deinem Gegenüber ins Wort gefallen? Auf welches Thema hättest du dich besser vorbereiten können? Aus den Antworten auf diese und weitere Fragen kannst du bestimmt etwas für die nächste Bewerbung lernen.
Nicht überreagieren
Du warst dir sicher, die Stelle zu bekommen, weil du dich scheinbar fehlerlos präsentiert hast – und kam sie doch, die Absage. Klar, du darfst Frust ablassen, aber bitte nicht überreagieren und den erstbesten Job annehmen, um weiteren Bewerbungen aus dem Weg zu gehen. Bleib überzeugt von deinen Fähigkeiten. Bei Bewerbungsgesprächen spielen viele Faktoren mit, zum Beispiel die berühmte Chemie, also das „Feeling“ zwischen Personen. Ein Personaler oder eine Personalerin muss zudem darauf achten, dass jemand in die Abteilung passt.
Eigene Haltung reflektieren
Sei ganz ehrlich zu dir und überlege dir, ob du die Stelle, für die du dich vergeblich beworben hast, wirklich haben wolltest. Häufig wird Bewerbenden bei der näheren Beschäftigung mit der Stellenausschreibung bewusst, dass dieser Job nicht wirklich zu ihnen passt. Sie ziehen das Ganze dennoch durch, aber nicht mit der notwendigen Entschiedenheit. Manchmal stellt sich indessen erst im Bewerbungsgespräch heraus, dass die Aufgaben nicht jene sind, die man sich erhofft oder erwartet hat. Das wird in der Kommunikation ziemlich sicher spürbar, es fehlt dann an der überzeugten Haltung.
Auf Unterstützung setzen
Apropos Ehrlichkeit: Sich bewerben heißt auch, sich selbst ehrlich zu beurteilen. Das fällt vielen Menschen schwer. Nach mehreren Absagen kannst du deshalb ruhig darüber nachdenken, dir Unterstützung zu suchen. Es gibt Berufsgruppen, zum Beispiel Coaches, die Hilfe anbieten. Mitunter organisieren Verbände oder andere Organisationen Bewerbungstrainings.
Alles nur pro forma?
Zum Schluss noch ein Hinweis, dessen sich alle Bewerbenden bewusst sein sollten: Es kommt gar nicht so selten vor, dass Unternehmen eine Stelle lediglich pro forma ausschreiben, weil es zum Beispiel gesetzlich so vorgeschrieben ist, und sie sie ohnehin intern besetzen. Oder sie nutzen Stellenausschreibungen als Marketinginstrument. Wenn eine Stellenausschreibung zum Beispiel sehr viele oder ganz spezielle Anforderungen enthält, die in dem vorgegebenen Ausmaß nur auf sehr wenige Menschen zutreffen können, dann liegt der Verdacht auf eine Pro-forma-Anzeige nahe. Ein sorgfältig ausgearbeitetes Bewerbungsschreiben kann in einem solchen Fall tatsächlich für die Katz sein.
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