

Ist das Arbeit oder sieht das nur so aus?
Frustriert im Hamsterrad
Endlich Feierabend. Das heißt, Feierabend war eigentlich vor einer Stunde. Steif vom langen Sitzen. Der Kopf brummt von den vielen Telefonaten und E-Mails. Dazu zwei Sitzungen und eine Videokonferenz, die vor allem eines waren: endlos. Zwei Berichte geschrieben. Das Ergebnis? Die To-do-Liste ist genauso lang wie vorher. Im Gegenteil – wer kennt das nicht: scheinaktive Arbeitstage, die nur eines tun, nämlich Energie und Zeit verbrauchen, ohne Resultate zu liefern.
Meetings ohne Agenda, in denen unwesentliche Dinge bis ins letzte Detail durchdiskutiert werden. Unproduktive Videokonferenzen, egal ob aus dem Homeoffice oder im Büro. Berichte verfassen über Aufgaben, deren eigentliche Erledigung weniger Zeit beanspruchen würde – und die Berichte liest am Ende niemand. Der Kollege, der uns ständig um Gefallen oder Informationen bittet und damit vom dringend zu erstellenden Angebot ablenkt. Der Chef, der plötzlich ein Meeting für das gesamte Team einberuft, obwohl es eigentlich nur zwei Kollegen betrifft. Oder die tägliche Besprechung um zehn Uhr morgens, die stattfindet, auch wenn nichts Neues anliegt. Beispiele gibt es unendlich viele.
Frustriert im Hamsterrad
Solche Arbeitstage sind nicht nur ineffizient, sie generieren auch Frustration. Mitarbeitende, die das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, beginnen, an ihrer eigenen Leistungsfähigkeit zu zweifeln. Gleichzeitig entstehen Verluste für das Unternehmen, weil produktive Ressourcen nicht sinnvoll eingesetzt werden.
Im Zeitalter moderner digitaler Kommunikation ist das Risiko für Fake Work noch größer. E-Mails checken und beantworten, Social Media kontrollieren, Videocalls – all das nimmt Zeit in Anspruch, ist aber nicht immer zielführend. Dasselbe gilt für den Einsatz von neuen Technologien, die nicht optimal genutzt werden (können). Mitarbeitende verlieren oft viel Zeit, ineffiziente Tools zu bedienen oder Fehler zu beheben, die entstanden sind, weil sie die Anwendung nicht beherrschen oder die Tools falsch einsetzen.
Fake Work ist ein Phänomen, mit dem immer mehr Unternehmen konfrontiert sind. Nur: Nicht alle sind sich dessen bewusst. Oft wird es weder von den Mitarbeitenden noch von den Managenden rechtzeitig erkannt. Abteilungen arbeiten parallel, ohne voneinander zu wissen. Projekte dauern länger als geplant, weil unnötige oder nicht zielführende Aufgaben vom eigentlichen Ziel ablenken. Aufgaben werden nicht delegiert, und auf diese Weise wird wertvolle Zeit ebenso verschwendet wie Geld.
Die Auswirkungen sind weitreichend. Vor allem leidet die Produktivität. Aber nicht nur das: Fake Work hemmt die Kreativität und Innovationskraft der Mitarbeitenden, die sich auf unwichtige Aufgaben konzentrieren müssen und keine Zeit haben, neue Ideen zu entwickeln. Dies wiederum wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Unzufriedene Mitarbeitende neigen eher dazu, sich nach neuen Job-Alternativen umzusehen. Unternehmen mit einer hohen Fluktuationsrate riskieren nicht nur Produktivitätsverluste, sondern auch erhöhte Kosten für Neu-Einstellungen und Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden, einen negativen Einfluss auf das Betriebsklima und ein schlechtes Image, abgesehen davon, dass die Mitarbeitenden die gehen, wertvolles Know-how mitnehmen. Der erste Schritt, um Fake Work vorzubeugen, ist ein gemeinsamer Bewusstwerdungsprozess. Arbeitsabläufe sollten periodisch analysiert und auf ihre Effizienz überprüft werden. Wo entstehen Leerläufe und Parallelismen? Kommunikation ist hier der Schlüssel. Doch nicht durch weitere Meetings ohne Plan, die schlussendlich zu keinem Ergebnis führen. Sitzungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie zielgerichtet und straff organisiert sind. Nur diejenigen sollten teilnehmen, die direkt betroffen sind und konstruktiv beitragen können. Wichtig ist auch, dass die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse nicht im Sand verlaufen. Strategiemeetings, deren Resultate nur auf dem Papier bleiben, sind ein Paradebeispiel für ineffizientes Arbeiten.
Transparenz, delegieren, klare Strukturen und Ziele
Unternehmen, die Fake Work erfolgreich minimieren möchten, brauchen eine Unternehmenskultur, die auf Transparenz, Vertrauen und klaren Strukturen basiert. Es beginnt bei den Führungskräften, die Vorbilder für eine effektive Arbeitsweise sein sollten. Ein entscheidender Punkt ist die Definition von Priori-täten: Was ist wirklich wichtig? Welche Aufgaben schaffen einen messbaren Mehrwert?
Ein weiteres Mittel gegen Fake Work ist der bewusste Umgang mit Technologie. Tools wie Projektmanagement-Software oder Kommunikationsplattformen können die Produktivität steigern – aber nur, wenn sie sinnvoll eingesetzt und beherrscht werden. Zu viele Tools oder fehlende Schulungen führen leicht dazu, dass Mitarbeitende mehr Zeit mit der Bedienung dieser Hilfsmittel verbringen als mit der eigentlichen Arbeit.
Auch das Stichwort Delegieren verdient besondere Aufmerksamkeit. Führungskräfte, die alles selbst machen wollen oder Aufgaben nicht klar kommunizieren, fördern ineffiziente Prozesse. Ein Team funktioniert besser, wenn die Rollen klar verteilt sind und Vertrauen in die Kompetenzen der Mitarbeitenden gesetzt wird.
Nicht zuletzt sollte die Arbeitsroutine regelmäßig überprüft werden. „Das war schon immer so, warum sollten wir es ändern“, ist kein Argument! Sind die vorhandenen Strukturen und Prozesse noch zeitgemäß? Gibt es Verbesserungspotenziale, die durch kleine Änderungen große Wirkung erzielen könnten? Wie kann ich die Mitarbeitenden motivieren, Änderungen positiv zu akzeptieren und diese nicht als erzwungene Mehrarbeit anzusehen?
Fake Work ist eine Gefahr, aber auch eine Herausforderung, die aktiv angegangen werden kann. Unternehmen, die eingefahrene Muster hinterfragen und auf ihre Effizienz überprüfen, legen den Grundstein für eine produktivere, kreativere und zufriedenstellendere Arbeitskultur. Davon profitieren alle: die Mitarbeitenden, weil zielgerichtetes Arbeiten motiviert, und das Unternehmen, weil es sich positiv auf die Bilanz auswirkt.
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